Lina Abbas aus der Q1 berichtet nachstehend ausführlich über ihre Teilnahme am Ferien-Camp “ Bilder machen Meinung – Videotechnik, Storytelling und kritischer Medienblick“ im Rahmen der Lernferien NRW.
Meldet euch bei Karin Fiedler, wenn ihr auch an Lernferien in den Herbst- oder Osterferien teilnehmen wollt: In der 8./9. Klasse zum „Lernen lernen“ und in der 8.-13. Klasse zum „Begabungen fördern“. Das Angebot ist immer wieder lohnenswert, und es fallen für die Teilnehmenden keine Kosten an.
In der ersten Woche der Herbstferien habe ich an dem Kurs „Bilder machen Meinung – Videotechnik, Storytelling und kritischer Medienblick“ der NRW‑Lernferien teilgenommen. Hierfür habe ich mich nach Jülich begeben, wo wir gemeinsam im Science College unsere Vorlesungen durchgeführt haben.
Ich war mir zunächst nicht sicher, ob ich am Camp teilnehmen soll. Immerhin hatte ich viele andere Dinge, die ich stattdessen hätte tun können, wie an einem Talentkompass teilzunehmen, mehr Zeit mit meiner Familie zu verbringen oder in Selbstmitleid zu versinken wegen meiner bevorstehenden Matheklausur, welche nach den Ferien ansteht (wenn wir ehrlich sind, wäre es wahrscheinlich auf Letzteres hinausgelaufen).
Dennoch wollte ich mir diese Chance nicht entgehen lassen, weshalb ich mich dazu entschlossen habe, am Camp teilzunehmen. In Retrospekt war das die beste Option, die ich hätte wählen können.
Man konnte zwischen 08:30 und 10:30 anreisen. Als ich ankam, waren schon fast alle da und hatten einen großen Sitzkreis gebildet. Ich nahm mir einen Stuhl und setzte mich an einen willkürlichen Platz dazu. Jeder war schon intensiv in Gespräche vertieft, was etwas verunsichernd war, doch dann setzte sich ein weiteres Mädchen zu mir, und wir haben angefangen, über Dinge wie unsere Anreise oder unsere LKs zu sprechen. Am Ende hat sie mir circa 20 Bilder aus verschiedenen Winkeln von ihren Katzen gezeigt. Das war ganz cool, weil ich Katzen echt klasse finde.
Als alle eingetrudelt waren, haben die Dozenten sich vorgestellt – Nika und Jannik waren für meinen Kurs verantwortlich – und daraufhin haben wir gemeinsam Vorstellungsspiele als Gruppe durchgeführt. Wir mussten uns zum Beispiel in Größe und Alter in der richtigen Reihenfolge aufstellen… sagen wir einfach mal, das war eine sehr erkenntnisreiche Darstellung für mich persönlich.
Des Weiteren haben wir uns in zufällig geordneten Gruppen zusammen getan und mussten innerhalb einer bestimmten Zeit Gemeinsamkeiten zwischen uns finden. Hier hat man sehr viel über sich selbst gelernt. Ich weiß nun, dass der Kreis meine Lieblingsform ist und ich Pizza mehr als Pasta mag. Äußerst lehrreich.
Danach haben wir eine kurze Führung über das Gelände bekommen. Uns wurde gezeigt, wo wir essen werden und wo unsere Zimmer sind. Natürlich hat es sofort angefangen zu regnen, als wir das Science College verlassen haben. Die Sonne, die Sekunden davor noch schien, hatte sich in Luft aufgelöst.
Nun stellt euch 40 Leute im Perlregen vor— und ich, als gefühlt Einzige mit einem Regenschirm. Hätte ich das im Voraus gewusst, hätte ich mir keine Sorgen machen müssen, was das Anschlüsse finden betrifft. Im nächsten Moment standen vier Mädchen unter meinem kleinen Schirm, und dies war der Beginn einer einzigartig wertvollen Freundschaft.
Danach wurden wir in unsere Zimmer aufgeteilt. Das war wahrscheinlich einer der nervenaufreibendsten Momente meines Lebens. Vier Gruppen haben sich um das einzige Viererzimmer gestritten, und meine war eine davon. Es glich einem Krieg, in dem unsere strategischen Argumente, weshalb ausgerechnet unsere Clique das Zimmer bekommen sollte, unsere Waffen ersetzten. Am Ende des Tages war die Kopfarbeit umsonst, da wir gelost haben. Ich wurde als Repräsentantin unserer Gruppe auf die Bühne genötigt von meinen soon‑to‑be‑roommates (hoffentlich). Die Dozentin schrieb unsere Namen auf einen Zettel und zog dann einen. Das Licht durchdrang das kleine Blatt Papier, und mir war direkt bewusst, dass unsere Gruppe die Schlacht verloren hatte. Auch wenn der Name von der Rückseite zu verschwommen war, um ihn zu erkennen, war er viel zu lang, um meiner zu sein.
Wir konnten allerdings für zwei Zweierzimmer direkt nebeneinander plädieren. Ich fand die Zimmer äußerst luxuriös. Wir hatten zwei Schreibtische mit einem Fernseher, eine kleine Couchecke und sogar einen eigenen Wasserkocher unten! Oben waren unsere Betten, und direkt gegenüber von meinem Bett war ein Fenster, durch das ich jeden Morgen eine herrliche Aussicht erblicken durfte. Die Badezimmer waren groß und alles war sehr sauber. Es war ein richtiges Hotel, das heißt, wir hatten auch eine Art Zimmerservice, der zum Beispiel unseren Müll leerte. Das war wirklich ein Jackpot. Das Essen war auch sehr lecker, und zu Mittag hatten wir sogar Nachtisch. Die veganen und vegetarischen Optionen waren ebenfalls appetitlich und abwechslungsreich.
Meine Freundinnen und ich haben immer bis tief in die Nacht miteinander Zeit verbracht, weshalb ich für den Rest der Woche extrem unterschlafen war. Ich bin froh, dass niemand vor Ort mich schon im Voraus kannte. Obwohl ich jeden Tag gut gelaunt war, war meine Laune nicht zu vergleichen mit meiner üblichen flummiartigen Persönlichkeit— dank dem Schlafmangel. Also Leute, wenn ihr in den Herbst‑ oder Osterferien teilnehmen wollt, seid auf eine kurzweilige Koffeinabhängigkeit gefasst. Wir haben stundenlang über Gott und die Welt geredet, Karten gespielt, und gescherzt, während wir meine Snacks geteilt haben (ich bin sehr froh, dass meine Mutter mich dazu gebracht hatte, welche einzupacken— ich war tatsächlich der Annahme, dass ich sie nicht brauchen würde… rookie mistake).
Natürlich hatten wir auch ein Abendprogramm (ich komme danach zum eigentlichen Bildungsteil der Lernferien, keine Sorge). Am ersten Abend hatten wir ein Get‑together, das am Anfang etwas rutschig verlief, am Ende aber extrem viel Spaß gemacht hat. Wie wollten mit circa 30 Leuten Werwölfe spielen, hatten aber nur 20 Karten. Nach kurzem Hin und Her habe ich eigenständig auf kleine Zettel Rollen geschrieben, damit jeder mitspielen konnte, und dann konnte die Nacht schon einbrechen und die Werwölfe erwachten. Am zweiten Abend hatten wir einen Karaoke/Just Dance Abend. Ich habe „Happy“ von Pharrell Williams gesungen (ich habe mich zum Schluss bei allen Hörenden entschuldigt). Einige konnten richtig gut singen! Der dritte Abend war mein Lieblingsabend. Wir hatten den Astro‑Abend. Der Mann, der uns über das Universum belehrt hat, heißt Withold, und ich werde ihn wahrscheinlich niemals vergessen. Er hat uns unglaublich wissenswerte Dinge beigebracht. Wusstest du, dass du aus Sternenstaub bestehst? Die Atome, die deinen Körper bilden— das Herz, das in dir schlägt, das Blut, das durch deine Adern fließt, die Nerven, die durch deinen Körper vernetzt sind— all diese Atome stammen aus der Explosion eines sterbenden Sterns. Das heißt, wir existieren nicht nur im Universum— wir sind Teil des Universums. Und das Universum hat uns erschaffen, um sich selbst zu verstehen (Carl Sagan). Ich finde, das ist eine wunderbare Darstellung, um zu untermauern, dass jeder Mensch einen Nutzen hat und jede Existenz einen Wert besitzt. Wenn man diesen nicht in sich selbst finden kann, dann weiß man wenigstens, dass man einen für das Universum darstellt. Am letzten Abend hatten wir ein Lagerfeuer und haben gemeinsam Stockbrot gegessen. Meine Freundin Luzie hatte ihre Ukulele mit und hat damit für musikalische Stimmung gesorgt— wir haben mindestens dreimal „Riptide“ von Vance Joy gesungen (ich glaube, ich kann diesen Song jetzt nie wieder hören) und einen tollen Tanzmove entwickelt namens
Kommen wir nun zu den bildenden Inhalten des Camps. Wir haben Bildgestaltungsgrundlagen gelernt und daraufhin, wie man mit Kameras umgeht. Es war das erste Mal, dass ich eine hochwertige Filmkamera verwenden durfte, und es war ein sehr aufregender Moment für mich, da ich Fotografie sehr gerne mag und viele neue Features ausprobieren konnte, die mich schon lange interessieren. Es war wahrhaftig eine unglaubliche Gelegenheit. Danach haben wir auch noch gelernt, wie man das Programm DaVinci auf dem Laptop zum Schneiden verwendet. Am Anfang war es leicht kompliziert, aber nach einer Nachtschicht Montieren hatte ich es drauf.
Des Weiteren haben wir darüber geredet, wie ein Reel entsteht und wie man ein Treatment schreibt. Ein Treatment ist im Prinzip ein Script für ein Instagram Reel. Da fließt viel mehr Arbeit rein, als ich zunächst geahnt hatte, obwohl Instagram Videos für ihre Kürze bekannt sind.
Zu guter Letzt wurde uns noch beigebracht, wie man richtig spricht — also dass man zum Beispiel EINhundert sagt und nicht hundert, oder dass man König wie Könich aussprechen muss.
Nachdem wir die notwendigen Skills erlernt hatten, wurde uns unser Thema für die Projekte mitgeteilt. Wir mussten ein Instagram Reel zum Thema „Social Media“ erstellen.
Meine Gruppe hat sich dazu entschlossen, einen Kurzfilm zum Thema Social Media Sucht zu produzieren. Unterschätzt die Arbeit bloß nicht— uns hat das gute zwei Tage effiziente Arbeit gekostet. Wir hatten viele interessante Ideen. Wir wollten zum Beispiel, dass unsere Hauptdarstellerin vom Handy verschluckt wird. Die Bearbeitung dieses fünfsekündigen Clips hat mich ganze drei Stunden gekostet. Wir haben auch mit einer GoCam gearbeitet, die man an den Körper anbinden konnte— das war mega cool. Ich denke, das Wichtigste, was mir dieses Camp mitgeben konnte, ist unkonventionelles Denken— welches in der heutigen Zeit wichtiger ist, als der ein oder andere sich vielleicht denken mag. Wir haben die Musik in unserem Kurzfilm eigenständig künstlich verlängert, weil die Audio zu kurz war, und mit Edding, Folie und einem Traum rotes Licht DIY‑ed. Was ich am Originellsten fand, war, dass wir unbedingt ein Handy filmen wollten, das eine Instagram Nachricht bekommt, aber das hat einfach nicht funktioniert mit der App! Wir sind dann auf die Idee gekommen, das WhatsApp Profilbild meiner Freundin in das Instagram‑Logo zu ändern und sie als „Instagram“ einzuspeichern auf dem Gerät. Sie hat dann „Lina gefällt dein Beitrag“ an das Handy geschickt, und es sah wahrhaftig so aus wie eine Instagram Nachricht.
Also: Wenn etwas nicht geklappt hat, musste ich out of the box denken, um es umsetzbar zu machen.
Aber auch die Gespräche außerhalb der Vorlesungen und der Filmproduktion waren lehrreich. Die NRW Lernferien bieten einen Raum, mit Individuen aus ganz NRW zu kommunizieren und unterschiedliche Sichtweisen kennenzulernen. Ich fand das wirklich faszinierend.
Dieses Camp hat meine Kenntnisse im Schneiden und Filmen um Weiten verbessert, mir neue Freundinnen ans Herz gelegt und mir gezeigt, meinem eigenen Verstand zu vertrauen und nicht aufzugeben, wenn etwas beim ersten Anlauf nicht klappt.
Ich kann jedem empfehlen, sich für die Ferien zu bewerben— es ist ein unvergessliches Erlebnis.
Eure Lina Abbas (Q1)



