Rückblick und Fotos zum Friedenstag am 8. Mai 2018 und Geschichte des Friedenstagess am PG

Seit 1995 am PG zur Erinnerung an das Ende des zweiten Weltkrieges, als Mahnung vor einer gefährlichen Vergesslichkeit und Ermutigung zum Engagement für Gewaltlosigkeit, Frieden und Gerechtigkeit.
Dieses Jahr stand das Motto „Schule ohne Rassismus. Schule mit Courage“ im Mittelpunkt. Es fanden vielfältige Aktionen statt: szenische Lesung, Diskussionen, Theaterstück, Workshop zur Selbstbehauptung, Suche nach Gemeinsamkeiten zwischen Christen und Muslimen, Besuch im BVB-Lernzentrum, Gestalten von Turnbeuteln und Buttons, Entdecken der Vielfalt der eigenen Klasse …

Hier einige Rückmeldungen seitens der Schüler.innen, Lehrer.innen und Referent.innen:

  • Das war ein toller Tag, wir haben vieles voneinander erfahren, zusammen gegessen, Taschen bemalt und Spaß gehabt.
  • Danke für den Workshop-Tag an Eurem Gymnasium! Auch meine Kollegen waren von Euren interessierten Schüler.innen begeistert.
  • Das Thema hat mir gefallen auch wenn wir es schon oft durchgenommen haben. Der Schauspieler hat es ungewohnt aber gut rüber gebracht.
  • Szenische Lesung „Eichmann Protokolle“: interessant, gute Darstellung, neue Informationen, lehrreich.
  • In meiner Klasse war es richtig gut, wir haben über vieles gesprochen und einen schönen Tag erlebt.

Aniela Thomalla-Pott

Frieden, Peace, Paix, Pax… 
Friedenstag des PG am 8. Mai

Anlass, Idee, Ziel
Am 8. Mai 1995 – 50 Jahre nach dem Kriegsende – haben wir am Pestalozzi-Gymnasium den ersten Friedenstag begangen. Von Anfang an sollte dies keine einmalige Aktion bleiben, sondern zu einem beredtem „Denkmal“ und zu einem Datum des bewussten Engagements gegen jede Form der Friedlosigkeit werden.
So ist der Friedenstag inzwischen tatsächlich zu einem Markenzeichen des Pestalozzi-Gym­nasiums geworden. Dies nicht zuletzt dadurch, dass sich immer wieder viele Kolleginnen und Kollegen, Schülerinnen und Schüler mit großem Engagement an der Planung und Durchfüh­rung des 8. Mai beteiligen.
Vergangenheit und Gegenwart lehren uns, dass Krieg, Ungerechtigkeit, psychische Gewalt und Katastrophen leider zu unserer Welt gehören. Sie sind die übermächtigen Ursachen von Not und Elend. Der 8. Mai wird also auch für die kommende Schülergeneration als „Gegen­datum“ erhalten und durchgeführt werden müssen.
Der Friedenstag soll dazu beitragen, uns vor einer gefährlichen Vergesslichkeit und vor ober­flächlichem Egoismus zu bewahren; er soll uns gleichzeitig zum Engagement für Gewaltlo­sigkeit, Frieden und Gerechtigkeit ermutigen. Er ist also ein wichtiger Bestandteil der Erzie­hungskonzeption und pädagogischen Zielsetzung unserer Schule.

Entwicklungen seit 2000
Bei lebendiger Auseinandersetzung mit den Entwicklungen, Gefährdungen, Chancen und stets neuen Herausforderungen unserer Zeit können Projekte und Ideen nicht unverändert bleiben. In den letzten Jahren sind darum der inhaltliche Rahmen und die Gestaltung des Friedenstages  durch weitere Elemente bereichert worden.
Wir haben uns entschlossen, dem Friedenstag dadurch einen verstärkten sozialen Akzent zu geben, dass wir – wenn möglich – im Rahmen der jeweiligen Aktionen am 8. Mai Spenden für in Not geratene Menschen sammeln.
Außerdem haben wir in den letzten Jahren nach Möglichkeit Grundschulen in die Durchfüh­rung unseres Friedenstages mit einbezogen. Die Bereitschaft zur Zusammenarbeit wurde dabei sehr deutlich und die Grundschulen haben nicht nur ihre Gebäude bzw. ihre Schulhöfe für uns geöffnet, sondern z.T. selbst aktiv an den Aktionen teilgenommen.

Aktionen 1995 – 2018
1995  „Wach-Nacht“ unter dem Leitwort „Man darf nicht mehr schlafen“ (B. Pascal).Schülerinnen und Schüler,  Lehrerinnen und Lehrer beschäftigten sich von abends 19.00 bis morgens 7.00 Uhr auf verschiedenste Art mit dem Thema „Krieg un d Frie­den“.

1996   Ein „Friedenslauf“, der auf 15 km an wichtigen Stationen in Herne vorbeiführte, die einen Bezug zur NS-Zeit und zum 2. Weltkrieg haben. Der von Eltern und Verwandten der SchülerInnen gesponserte Lauf erbrachte 28.000,- DM, die dem Friedensdorf in Oberhausen übergeben wurden.

1997  Ganztägige Begegnung mit dem Zeitzeugen  Sally Perel („Hitlerjunge Salomo“). Erlebte und erlittene Geschichte wurde in beeindruckender Weise für alle Teilnehmer­Innen lebendig; auch in der dringlichen Mahnung vor Antisemitismus und jeder Form des Radikalismus.

1998  Vertreter von Anti-Rassismus-Gruppen – z.T. Aussteiger aus der rechten Szene – er­zählten von eigenen Erfahrungen und von Projekten gegen Gewalt und Rechtsradika­lismus. Aufführungen des Tacheles-Theaters und ein abendliches Friedenskonzert setzten an diesem Tag weitere nachhaltige Akzente.

1999   2. Friedenslauf – unter dem Motto: „Fluchtwege – Friedenswege“ – auf einem leicht veränderten Weg. Diesmal war der Erlös – 28.000,- DM – für Hilfsaktionen im Kosovo bestimmt; 25.000,- DM gingen an das Unicef-Kinderhilfswerk und 3.000,- DM an das Balkan-Peace-Team.

2000  2. „Wach-Nacht“ zum Thema: „Zusammen wachen – Zusammenwachsen“ – Viele Kulturen – Eine Welt. Ein Lichterzug zum Eine-Welt-Zentrum, ein Erzählzelt mit SchauspielerInnen, Begegnungen mit Stipendiaten aus verschiedenen afrikanischen und asiatischen Ländern und viele andere Aktivitäten gaben auch dieser Veranstaltung ih­ren unverwechselbaren Charakter.

2001   Begegnung mit Zeitzeugen: Frauen und Männer, die die Zeit des Nationalsozialis­mus erlebt haben und in unterschiedlicher Weise benachteiligt und verfolgt wurden, erzählten von ihren Erfahrungen. Eine beide Seiten beeindruckende Begegnung der verschiedenen Generationen.

2002   „Ich trage seinen Namen.“  Martin Bormann sprach mit den Schülerinnen und Schü­lern darüber, wie sein Leben davon geprägt wurde, dass er der Sohn  des sogenann­ten „Hitler-Stellvertreters“ ist.

2003   Das Motto dieses Friedenstages lautete: „Gib Krieg keine Chance“. In den Klassen wurden vielfältige Unterrichtsprojekte durchgeführt. Selbst geschriebene Theaterstü­cke kamen zur Aufführung, eine Klasse gestaltete eine Radiosendung, Ausstellungen mit umfangreichem Informationsmaterial wurden gezeigt, Interviews durchgeführt und auf Videofilmen dokumentiert. Ballon-Aktion, T-Shirt-Verkauf, Übernahme von Paten­schaften, Schreiben von Gedichten, Spendensammlung waren weitere Programm­punkte. Der Tag wurde abgeschlossen durch ein Friedens-Konzert auf dem Schulhof.

2004   „Lasst die Welt erblühen“ – das war das Thema des 3. Friedenslaufs. Dieses Mal hatten wir uns zuvor an 11 Herner Grundschulen gewandt und um ihr Einverständnis gebeten, sie in unsere Aktion einbeziehen zu dürfen. So liefen dann unsere Schülerin­nen und Schüler am 7. Mai zu diesen Schulen und überbrachten als Symbol für eine „erblühende Welt“ Blumensamen. Mit dem erlaufenen Betrag von 9.000,- €  haben wir ein Ausbildungszentrum für Mädchen und junge Frauen in Äthiopien unterstützt.

2005   Betroffen durch das Erstarken rechtsradikaler Gruppen und den Einzug der NPD in den  sächsischen Landtag wünschten die Schülerinnen und Schüler sich für den 8. Mai das Thema „Bunt statt braun“, um sich an diesem Tag intensiv mit nationalsozi­alistischer und rassistischer Ideologie auseinandersetzen. Vielfältige Projekte und Ak­tionen gaben dazu Gelegenheit: Besuch einer Ausstellung „Rechte Jugendkulturen“, Musik zum „Weghören“, Workshop mit einem linken Skin, Argumentationstraining – Workshop, Karikaturen erstellen, Begegnungen mit Zeitzeugen, Theater und Panto­mime, Textseminar: Justiz und Politik, Stadtteilrundgang, Erziehung und Schule im 3. Reich – Besuch im Westfälischen Schulmuseum, Gestaltung von Bildern, Projekt „Fußball im 3. Reich“, Besuch des Films „Sophie Scholl“.

2006   Vor dem Hintergrund wachsender Spannungen und terroristischer Auseinandersetzun­gen zwischen den Menschen verschiedener Kulturen wollten wir ein Gegenzeichen des friedlichen Miteinanders setzen. „Begegnung der Kulturen“ war nicht nur das Motto des Friedenstages, sondern ist zugleich eine alltägliche Wirklichkeit unseres Schullebens. Um das zu verdeutlichen, führten Schülerinnen und Schüler Kurse in 9 Sprachen ihrer jeweiligen Herkunftsländer durch. So wurde die reiche Vielfalt unserer Schülerschaft deutlich, die für alle ein Gewinn und kein Grund des Unfriedens ist. Weitere Programmpunkte: die Besuche in Moscheen und Synagogen, Gespräche mit einem deutschen Häuptling aus Afrika, Workshops zur Rolle der Frau in verschiede­nen Kulturen und zum Miteinander von jüdischen und arabisch-palästinensischen Stu­denten in Israel, ein Erzählcafé, Lesen und Gestalten von Märchen aus aller Welt, Er­lernen von Tänzen aus verschiedenen Ländern. Ein von Eltern hergestelltes internati­onales Buffet für alle Teilnehmer rundete die Veranstaltungen ab.

2007   „Sich besser kennen lernen und sich besser verstehen!“ Der innere Frieden in unserem Land ist gefährdet durch die Kluft zwischen Arm und Reich, zwischen Arbeitenden und Arbeitslosen. Von diesem Problem betroffen ist nicht zuletzt die junge Generation, steht doch ihre Zukunft auf dem Spiel. Wir dürfen und wollen also unsere Augen vor der Wirklichkeit nicht verschließen. Darum haben die SchülerInnen und LehrerInnen des Arbeitskreises außerunterrichtliche Aktivitäten be­schlossen, am diesjährigen Friedenstag in sozialen Einrichtungen der Stadt, der Wohlfahrtsverbände und der Kirchen mitzuhelfen sowie andere soziale Tätigkeiten  durchzuführen. Ein „Nebeneffekt“ der Unternehmungen soll das noch bessere Ken­nenlernen der SchülerInnen untereinander sein.

2008   „Einmischen statt Ausrasten“

In diesem Jahr wurde an unserem Friedenstag auf Wunsch der Schüler und Schüle­rinnen die Problematik „Amoklauf“ behandelt.  Die Theatergruppe „Burghofbühne“ aus Dinslaken kam an unsere Schule und führte ein Theaterstück auf, das die Schülerin­nen und Schüler für die Prozesse, die zu dieser extremen Form der Gewalt führen, sensibilisieren sollte. Im Anschluss an die Aufführungen wurden Gespräche mit den Schauspielern und in den jeweiligen Klassen bzw. Kursen durchgeführt. Die Schüler und Schülerinnen der fünften und sechsten Klassen, die für diese Form der Konfrontation mit der Thematik noch zu jung sind, beschäftigten sich parallel zu der Theateraufführung mit eigenen, z.T. klassenübergreifenden Projekten, die dazu beitragen sollten, aufmerksamer und toleranter im Umgang miteinander zu werden. Im Zuge dieser Projekte entstanden u.a. Plakate, die in der Schule aufgehängt wurden.

2009   „Ohne  Mauern – Für ein Leben in Frieden und Freiheit“ 2009:  20 Jahre Mauerfall“ (1989) – 60 Jahre Grundgesetz und Gründung  der beiden deutschen Staaten (1949) – 70 Jahre 2. Weltkrieg (1939)  – 90 Jahre deutsche Ge­schichte zwischen Demokratie und Diktatur (1919).
Vor diesem Hintergrund wuchs das Bedürfnis sehr vieler  Schüler und Schülerinnen, mehr über die ehemalige DDR zu erfahren. Der diesjährige Friedenstag griff dieses Bedürfnis auf. Es fand  eine „Expertenbefragung“ zur ehemaligen DDR statt. Dazu kamen z. T. in Zusammenarbeit mit der RUB 4 Damen und Herren – ehemalige Häft­linge der Staatssicherheit der DDR – in unsere Schule, erzählten ihre persönliche Le­bensgeschichte und beantworteten anschließend Fragen. Es handelte sich um Frau Neumann, Herrn Dr. Koch, Herrn Richter sowie Herrn Rother. Zur Vorbereitung sahen die Schüler und Schülerinnen in den Tagen vor dem 8. Mai den Film „Flucht mit dem Moskau-Paris-Express“ , in dem das Schicksal einiger DDR-Flüchtlinge gezeigt wird, die zur Zeit ihrer Fluchtversuche selbst noch Schüler waren. Einer von diesen ist der oben genannte Herr Richter. Im Anschluss an die Filmvorfüh­rung wurde unseren Schülern und Schülerinnen die Möglichkeit zur Aufarbeitung des Filmes im Gespräch mit Lehrern und Lehrerinnen gegeben. Unsere Schule hat sich bewusst dazu entschieden, neben den kognitiven, emotiona­len und musischen Fähigkeiten auch die sozialen Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler zu fördern. Dies geschieht natürlich vornehmlich im schulischen Alltag, also im Unterricht. Der 8. Mai erinnert aber auf besonders eindringliche Weise an die blei­bende Aufgabe, sich um ein humanes und friedfertiges Miteinander in der Schule und darüber hinaus zu bemühen.

2010  „we-culture – Verantwortung füreinander – Frieden miteinander“ In Anbindung an „Kulturhauptstadt 2010“ setzen sich die Schülerinnen und Schüler des Pestalozzi-Gymnasiums in diesem Jahr mit der Kultur, in der sie leben, auseinander. Sie ergründen, was für sie „Kultur“ bedeutet, und beschäftigen sich dabei u.a. mit ihren Wertvorstellungen, Sitten, Gebräuchen, Verhaltensweisen, Essgewohnheiten, Kleidungsstilen sowie ihrem Konsumverhalten und entdecken dabei,  dass – bei näherer Betrachtung – „ihre“ Kultur aus vielen einzelnen Facetten besteht, von denen so manche ihren Ursprung nicht in Deutschland hat. Das Ziel dieses Friedenstages ist es, zu der Erkenntnis beizutragen, dass sich im Ruhrgebiet u.a. aufgrund des Zusammenlebens von Menschen mit den unter-schiedlichsten Wurzeln eine eigene, lebendige, schillernde und spannende Kultur entwickelt hat, die eine sehr hohe Lebensqualität ermöglicht, und dass es von Bedeutung ist, sich auf diese positive Auswirkung des Zusammentreffens verschiedener Kulturen zu konzentrieren, statt immer nur die negativen Aspekte in den Fokus zu nehmen. Die Schüler und Schülerinnen drücken ihre Gedanken in Bildern und in einer „Modenschau“ aus. Jede Klasse erstellt ein quadratisches Bild, das – wie die Kultur – aus verschiedenen Facetten, also einzelnen kleinen Bildern, besteht. Bei der „Modenschau“ wird die Interpretation von „we-culture“  in Kleidungsstilen verdeutlichst. Die Bilder sollen wenige Wochen später versteigert werden und der Gewinn soll – je nach Höhe – der Afrikanerin Harriet Bruce-Annan und / oder einem  Ehepaar aus den Niederlanden zur Unterstützung ihrer Schulprojekte in Ghana bzw. in Manila überreicht werden. Wenn möglich sollen die eingeladenen Personen dann auch über ihre Projekte und ihre Beweggründe vor einer ausgewählten Schüler- und Elternschaft sprechen.

2011  „Frieden – ein Wagnis!? Die Schüler und Schülerinnen der Jahrgangsstufen 5 bis 8 sahen in der „Filmwelt Herne“ gemeinsam den Film „Konferenz der Tiere“ und die der Jahrgangsstufen 9 bis 12 den Film „Von Menschen und Göttern“. Beide Filme wurden nach dem Kinobesuch in den Klassen bzw. Kursen mit Blick auf das Motto des diesjährigen Friedenstages besprochen. Bei der Nachbesprechung von „Konferenz der Tiere“ wurden dabei z.B. die Bedeutung von Freundschaft, von Solidarität, die Bedeutung eigener Interessen im Verhältnis zu den Interessen der Allgemeinheit, die Ressourcenknappheit, die Verteilung der Güter (3. Welt) sowie die Durchsetzungsmöglichkeit  von Interessen „schwacher“ Gruppen / Mehrheiten und die Durchsetzungsmöglichkeit  von Interessen ohne Gewalt erörtert. Mit den älteren Schülern und Schülerinnen wurden im Rahmen der Nachbesprechung des Films „Von Menschen und Göttern“ u.a. Themenbereiche angesprochen wie: „Die Voraussetzungen eines respektvollen Umgangs von Menschen unterschiedlicher Kulturen / Religionen miteinander“ – „Der zerstörerische Einfluss von fehlenden und falschen Informationen, von Klischees über Lebenseinstellungen und -gewohnheiten von Menschen aus anderen Kulturen / Religionen“ – „Die „Götter“ unserer Zeit, unserer Gesellschaft, eines jeden Einzelnen, die Menschen zu Opfern machen“.

2012  Sally Perel – Erinnerungen gegen den Nationalsozialismus In diesem Jahr gelang es der Schule erneut, den inzwischen 87-jährigen Herrn Perel dafür zu gewinnen, die Schüler und Schülerinnen zu besuchen. Als Mitglied der Hitlerjugend überlebte der Jude Sally Perel die Zeit des Nationalsozialismus‘. Seine Autobiographie „Ich war Hitlerjunge Salomon“ wurde im Jahr 1989 unter dem Titel „Hitlerjunge Salomon“ verfilmt. Auf insgesamt drei Veranstaltungen am 7. und 8. Mai erlebten die Schüler und Schülerinnen sowie auch interessierte Herner Bürger einen persönlichen Einblick in das Leben eines der letzten Zeitzeugen des Naziregimes. Es war beeindruckend, wie in der Begegnung mit diesem Zeitzeugen Geschichte – auch in der dringlichen Mahnung vor Antisemitismus und jeder Form des Radikalismus‘ – lebendig wurde. Es wurde deutlich, wie aktuell und interessant die Thematik ist. Nicht nur die Erwachsenen, sondern auch die gesamte Schülerschaft  der Jahrgangsstufen fünf bis zwölf  lauschten dem fast 3-stündigen Vortrag wie gebannt, um anschließend bewegt eine Flut von Fragen an Herrn Perel zu stellen, die dieser ausführlich und sehr persönlich beantwortete. Diese besondere Form des „Geschichtsunterrichts“ erreichte wieder einmal Verstand und Herz der Zuhörerschaft gleichermaßen.

2013   Per Umfrage entschieden die Schüler und Schülerinnen, dass sie sich an diesem Tag des „alternativen Lernens“ mit „Internetmobbing“ und „Aggressivität im täglichen Umgang der Menschen untereinander“ beschäftigen würden. Eine große Mehrheit der Schüler und Schülerinnen der Jahrgangstufen 5 bis 9 hielt eine Beschäftigung mit der  ersten Thematik  für sehr wichtig, was der traurigen Tatsache entsprach, dass sie mit „Internetmobbing“ direkt oder indirekt immer häufiger in Berührung kamen. Die Jahrgangsstufen 10 und 11 wählten hingegen mit deutlicher Mehrheit den Problembereich  der verbalen und körperlichen Aggressivität, da sie mit dieser in alltäglichen Lebenssituationen, z.B. in U-Bahnen und in Bussen, häufig konfrontiert wurden. Am 8. Mai kam deshalb das Tourneetheater Comic On mit zwei Theaterstücken zum Thema Cybermobbing in unsere Schule und führte für die Klassen 5/6 das Stück r@usgemobbt.de  und für die Klassen 7/8/9 das Stück „r@usgemobbt“ 2.0 auf. Anschließend fan­den Diskussionsrunden statt. Dabei wurden per Zufallsverfahren aus beiden Gruppen je 100 SchülerInnen ausgewählt, die die Stücke nicht mit ihren LehrerInnen, sondern mit den SchauspielerInnen nachbereiteten. Für die Problematik der „Aggressivität im öffentlichen Miteinander“ gab es kein von außen kommendes „Lösungsrezept“, da es sich im­mer um individuelle, situationsbedingte Begebenheiten bzw. Konfrontationen handelte, mit denen der/die SchülerIn dann umgehen musste. Um auf verbale Attacken und vorbereitet zu sein, um solche Situationen vermeiden zu können, um sie nicht aus Versehen zu provozieren, um ihnen unbeschadet  zu entkommen usw., muss man sie u.a. erkennen, sich selber und auch seine eigene Außenwirkung sowie mögli­che Reaktionsmuster des Gegenübers einschätzen können und für sich selber parat haben. Daran wurde am 8. Mai in kleineren Projektgruppen gearbeitet. Die Schüler und Schülerinnen wählten die Form, in der sie an die Thematik herangehen würden: „freies Schreiben“ – Texte verschiedenster Form verfassen, vortragen, diskutieren / Sketche entwickeln, aufführen, diskutieren / inszenierte Fotografien anfertigen, präsentieren, diskutieren / eine Performance entwickeln, aufführen, diskutieren. Arbeitsgrundlage waren dabei die zahlreichen eigenen Erfahrungen der Schüler und Schülerinnen. Der kreative Teil trug dabei ebenso zur Bewusstwerdung und Auseinandersetzung bei wie die Auswertungen und Diskussionen über die entstandenen Arbeiten.  Es gab keine Ab­schlussaufführung oder -präsentation. Alle Aufführungen und Vorträge blieben auf Wunsch der Schülerschaft  in den einzelnen Gruppen.

2014 „Ich schenke dir meine Hand“ hieß das Motto unseres diesjährigen Friedenstages am 8. Mai. 2014. Auch in diesem Jahr sollte er dazu beitragen, uns und unsere       (mit-)menschlichen Möglichkeiten  in der Begegnung mit anderen Menschen näher kennenzulernen. In diesem Jahr engagierten sich in diesem Sinne alle Schülerinnen, Schüler sowie Lehrerinnen und Lehrer in ihrem Lebensumfeld. Das Betätigungsfeld musste man sich eigenständig suchen und es wurden beeindruckend viele verschiedene Möglichkeiten gefunden. Als Beispiel seien hier die Unterstützung  hilfebedürftiger Menschen bei der Erledigung häuslicher Tätigkeiten, morgendliches Backen von Muffins und persönliches Überreichen derselben zur Kaffeezeit in einem Altenheim, Hilfe bei verschiedenen Tafeln, in Kindereinrichtungen und in Tierheimen genannt. Die Erlebnisse dabei waren vielfältig und viele der Helferinnen und Helfer konnten erleben, wie wohltuend und zufriedenstellend ein Sich-Einsetzen für andere auch für den sich engagierenden Menschen selbst sein kann.

2015  Unter dem Motto „Willkommen in Herne“ stand der Friedenstag 2015. Angesichts der katastrophalen Lage vieler Flüchtlinge und der unterschiedlichen Reaktionen der Bevölkerung auf die Ankunft und Unterbringung der Flüchtlinge wurden die Situation der Flüchtlinge, mögliche Vorurteile und Ängste thematisiert. Die Schülerinnen und Schüler der Klassen 7 bis 9 und der Einführungsphase kamen in den Wochen vor dem 8. Mai mit Mitarbeiterinnen der Caritas und ehrenamtlichen Helfern in der Flüchtlings-hilfe ins Gespräch. Auch die ehemalige Schülerin Rokan, die mit ihrer Familie aus Syrien geflüchtet war, erzählte den Schülerinnen und Schülern von ihrem Schicksal. Die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 5 und 6 erarbeiteten das Thema mit ihrem Klassenlehrer bzw. ihrer Klassenlehrerin anhand von Bildern, Texten und Leifra-gen sowie von eigenen Beobachtungen und Erfahrungen. Am 8. Mai wurden in der 1. und 2. Stunde Plakate vorbereitet, auf denen z.B. Willkommensworte, Mahnungen und Tipps zum Umgang miteinander zu lesen waren. Außerdem falteten die Schülerinnen und Schüler als Friedens- und Begrüßungszeichen bunte Papierkraniche in Anlehnung an die Legende der 1000 Kraniche in Hiro-shima. Nach der großen Pause versammelten sich alle zum „Willkommensmarsch“ und zogen gemeinsam über die Bahnhofstraße zum Platz vor dem Kulturzentrum und zurück. Auf dem Weg wurden die Papierkraniche an Passanten verteilt.

2016   „Vom Fremden zum Vertrauten“ Der diesjährige Friedenstag thematisierte vertieft die im letzten Jahr aufgeworfene Fluchtproblematik. Dabei wurden den Schülerinnen und Schülern in Kursen verschiedene Angebote gemacht, in denen sie Erfahrungen sammeln, sich mehr Wissen oder einfach auch andere Sichtweisen zum Thema aneignen konnten. Jeder Schüler, jede Schülerin der 5. bis 9. Klasse hatte die Möglichkeit, am Friedenstag zwei Kurse zu besuchen. Die Kurse wurden von Schülerinnen und Schülern, Lehrerinnen und Leh- rern und wenigen externen Personen geleitet. Folgende Kurse standen zur Wahl: Sprachkurse (Arabisch, Türkisch, Kurdisch, Tamilisch), Recherche zur Situation in den    Fluchtländern, Fluchtfilme, Identität. Wer bin ich?, Fremde Spiele, Interviews aus der   Fremde, Deutsch – Erfahrung einer fremden Sprache, Gerüche des Orients, Östliche Kulturen und ihre Unterschiede, Halay-Tanzkurs. Im Anschluss an die Kurse trafen     sich alle zum internationalen Buffet in der Aula. Unterstützt durch die Eltern der Schülerinnen und Schüler, aber auch durch die Kinder selbst und Lehrerinnen und Lehrer,   kamen viele Gerichte aus verschiedenen Ländern auf den Tisch. Für die OberstufenschülerInnen (Einführungsphase und Q1) hielt Herr Raslan einen Vortrag über seine Heimat Syrien und insbesondere über sein Zuhause, die Stadt Aleppo. Die Bilder aus der Zeit vor dem Krieg in Syrien und die aktuellen Bilder der zerstörten Städte und Denkmäler bewegten die Anwesenden sehr und ließen sie über die Begriffe „Heimat“ und „Zuhause“ ins Gespräch kommen.

2017   In Vielfalt leben – Vielfalt leben gegeneinander – nebeneinander – miteinander. Der diesjährige Friedenstag widmete sich dem Umgang mit kultureller Vielfalt und der Entstehung und den Auswirkungen von autoritären Strukturen in der Gesellschaft. Passend zu unserem schulischen Schwerpunkt des sozialen Lernens beschäftigten wir uns mit Erfahrungen des Verschiedenseins, möglichen Wegen zu einem sinnvollen Miteinander und der Achtung voreinander. Dazu führten wir einen gemeinsamen Kinogang durch, in dem wir Filme schauten und        im Nachhinein besprachen. Um den verschiedenen Jahrgängen gerecht zu werden, hatten wir drei Filme ausgesucht: „Krieg der Knöpfe“ (für die 5er und 6er); „Die Welle“ (für die 7er bis 9er); „Die Schüler der Madame Anne“ (für die Eph und Q1). Am Abend gab es außerdem um 19 Uhr in der Aula eine Lesung aus dem Buch „Singvögel und Raben waren auch nicht mehr da“ von Shigemi Ideguchi. Shigemi Ideguchi erlebte aus nächster Nähe den Atombombenabwurf auf Hiroshima am 6. August 1945. Seine sehr persönlichen Eindrücke und Erinnerungen an dieses Ereignis und seine Auswirkungen veröffentlichte er 1989 in Japan. Anlässlich des 70. Jahrestages des Bombenabwurfs haben die Enkelin des Autors, Rima Ideguchi, und ihr Ehemann Fabian Liedtke das Buch ins Deutsche übertragen    und organisieren seitdem Lesungen gegen das Vergessen. Im Anschluss an die bewegende Lesung gab es Raum für Gespräche.

2018   Schule ohne Rassismus. Schule mit Courage. Thema des Friedenstags war das Projekt „Schule ohne Rassismus. Schule mit Courage“ Dazu konnten wir  vor allem externe Projekte rund um dieses Thema gewinnen. So gab es für die 9. Klasse und die Oberstufe eine szenische Lesung zu den Eichmann-Protokollen in der Volkshochschule, die 8. Klasse sah das Theater- stück „Jeder soll individuell sein, aber wehe einer ist anders“, und in den 7. Klassen wurden verschiedene Workshops zu den Themen Rechtsextremismus, religiös motivierte Intoleranz und Rassismus im Fußball angeboten. Auch die 5. und 6. Klassen beschäftigen sich mit dem Thema. Sie sprachen über Diskriminierung und Ausgrenzung, schauten auf unsere bunte Schule und gestalteten Turnbeutel und Buttons.

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